Schleiereulen- und Turmfalkenprojekt

Schleiereulen und Turmfalken brauchen Platz – neues Projekt sucht Scheunenbesitzer im Zürcher Oberland 

Nachts lautlos unterwegs, tagsüber kaum zu sehen – und doch von unschätzbarem Wert für die Landwirtschaft: Schleiereulen gehören zu den effektivsten natürlichen Mäusejägern. Gemeinsam mit dem Turmfalken leisten sie einen wichtigen Beitrag zur biologischen Mäusekontrolle.  

Während in anderen Regionen der Schweiz bereits seit Jahren erfolgreiche Förderprojekte laufen – unter anderem koordiniert durch die Schweizerische Vogelwarte Sempach – besteht im Zürcher Oberland noch eine Lücke. Genau hier setzt ein neues regionales Projekt unter der Leitung vom Ornithologischen Verein in Weisslingen (Manuel Huber, Obmann Vogelschutz) an. 

Natürliche Mäusebekämpfung statt Gift 

Eine Schleiereule frisst pro Jahr über tausend Mäuse. Bei Aufzucht von Jungtieren wird die Zahl sogar nochmals deutlich erhöht. Besonders Feld- und Wühlmäuse stehen auf ihrem Speiseplan – genau jene Arten, die auf landwirtschaftlichen Flächen Schäden verursachen können. Anders als chemische Bekämpfungsmittel wirkt die Schleiereule dauerhaft, zielgerichtet und völlig ohne Nebenwirkungen für Boden und Wasser. 

Auch Turmfalken profitieren von denselben Nisthilfen und jagen tagsüber auf offene Flächen rund um Höfe und Wiesen. Beide Arten ergänzen sich ideal – ein Gewinn für Natur und Landwirtschaft gleichermassen. 

Warum fehlen Schleiereulen im Zürcher Oberland? 

Moderne Gebäude, verschlossene Scheunen und fehlende Einflugmöglichkeiten haben dazu geführt, dass Schleiereulen vielerorts keine geeigneten Brutplätze mehr finden. Wo früher offene Dachböden und Scheunen vorhanden waren, sind heute die Zugänge oft versperrt – mit direkten Folgen für die Bestände. 

Dabei zeigt sich in anderen Regionen deutlich: Wo geeignete Nistkästen angeboten werden, kehren Schleiereulen zurück. 

So läuft das Projekt ab 

In einem ersten Schritt werden interessierte Landwirte und Scheunenbesitzer gesucht, die grundsätzlich bereit sind, einen möglichen Standort zur Verfügung zu stellen. Anschliessend wird jeder potenzielle Standort fachlich begutachtet. 

Dabei wird nicht nur auf Eignung für Schleiereulen und Turmfalken geachtet, sondern auch gezielt überprüft, ob seltene oder geschützte Fledermausarten vor Ort heimisch sind. Wo bedeutende Fledermausvorkommen bestehen, wird bewusst auf eine Ansiedlung von Schleiereulen verzichtet – denn Schleiereulen können für Fledermäuse als natürliche Prädatoren auftreten. Der Schutz aller bedrohten Arten soll im Mittelpunkt stehen und es wäre für uns nicht zielführend, wenn durch die Einführung einer Art, andere Arten verdrängt werden. 

In einem zweiten Schritt werden für die ausgewählten Standorte die benötigten Schleiereulenkästen gebaut. Dies geschieht in Freiwilligenarbeit durch den Ornithologischen Verein Weisslingen sowie mit Unterstützung hilfsbereiter Schreinereien aus der Region. Anschliessend werden die Kästen fachgerecht montiert. 

Monitoring, Zählungen und Beringungen 

Nach der Installation werden die Nistkästen regelmässig kontrolliert. Dazu kommen – wo sinnvoll – vorinstallierte Kameras zum Einsatz, die Einblicke ermöglichen, ohne die Tiere zu stören. 

Bei erfolgreichem Einzug und Bruten werden Zählungen und bei geeigneten Bedingungen auch Beringungen der Jungvögel durchgeführt. Diese Massnahmen sind von grosser Bedeutung: Sie liefern wertvolle Daten über Bestand, Bruterfolg, Wanderbewegungen und langfristige Entwicklung der Populationen. Das Monitoring hilft, den Erfolg des Projekts zu beurteilen und zukünftige Schutzmassnahmen gezielt zu verbessern. 

Wie sieht ein idealer Standort aus? 

Ein idealer Standort für einen Schleiereulen- oder Turmfalkenkasten befindet sich in oder an einer ruhigen Scheune, Remise oder einem Dachstock, möglichst ausserhalb dichter Siedlungen. Wichtig ist eine freie Anflugmöglichkeit, beispielsweise über Wiesen, Felder oder genutztes Kulturland. Die Umgebung sollte optimalerweise strukturreich sein und genügend Jagdflächen bieten – etwa mit Hecken, Brachen, Magerwiesen oder Ackerrandstreifen. Eine offene Landschaft mit guter Mäusedichte erhöht die Chancen deutlich, dass Schleiereulen oder Turmfalken den Standort annehmen. 

Der Kasten selbst wird in der Regel mehrere Meter über dem Boden im Innern des Gebäudes angebracht, wettergeschützt und so platziert, dass möglichst wenig Störungen durch Menschen oder Maschinen entstehen. Ideal sind Gebäude, die nicht täglich stark frequentiert werden, insbesondere während der Brutzeit. Ein Einflugloch garantiert den Zugang zum Nistkasten.  

Idealerweise ist der Kasten von innen über einen Boden oder Dachraum im oberen Teil des Gebäudes gut erreichbar, damit Kontrollen, Reinigungen und allfällige Arbeiten problemlos durchgeführt werden können. Falls kein direkter Zugang vorhanden ist, genügt in vielen Fällen auch eine sichere Erreichbarkeit über eine Leiter. 

Mitmachen ist einfach – und kostenlos 

Das Projekt richtet sich gezielt an Landwirte, Scheunen- und Hofbesitzer, die bereit sind, einen geeigneten Platz für einen Nistkasten zur Verfügung zu stellen. Die Nisthilfen werden fachgerecht ausgewählt, platziert und betreut. Für die Eigentümer entstehen keine Kosten und kein zusätzlicher Aufwand. Eine vertiefte Beratung und die Beantwortung von Fragen findet selbstverständlich bei einem Erstkontakt statt. 

Gemeinsam eine Lücke schliessen 

Ziel des Projekts ist es, im Zürcher Oberland ein nachhaltiges Netzwerk von Brutplätzen aufzubauen und damit eine Lücke zwischen bestehenden Förderregionen zu schliessen. Jeder einzelne Standort zählt – und kann entscheidend sein, damit sich Schleiereulen langfristig wieder ansiedeln. 

Interessierte Landwirte und Scheunenbesitzer sind herzlich eingeladen, sich beim OV Weisslingen (Manuel Huber) zu melden und Teil dieses Projekts zu werden. 
Gemeinsam lässt sich Naturschutz ganz praktisch umsetzen – direkt vor der eigenen Haustür. 

Kontaktaufnahme bitte per E-Mail an ovweisslingen@gmx.ch 

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